Geschichten und Gschichtla aus der Heimat

Schwarzbeern

Beerenzeit Besser bekannt sind diese Waldfrüchte wohl unter den Namen Heidelbeeren und Blaubeeren. Für uns waren das Schwarzbeern. Wenn die Mutter zu uns Kindern sagte, „kommt, macht eich fertig, mir genga in die Schwarzbeern“,löste das, soweit ich mich erinnere, keine große Begeisterung aus. Aber wir gehorchten halt. War damals selbstverständlich....

Die vertriebenen Mädchen

Alle suchen eine Unterkunft In den letzten Kriegsmonaten sind viele Flüchtlinge gekommen. Nach dem Krieg aber ziehen immer noch Pferdegespanne durch unser Dorf. Man sagt uns, das sind Vertriebene, keine Flüchtlinge! Wegen politischer Grenzverschiebungen im Osten mussten sie Haus und Hof verlassen. Sahen sich selbst als Heimatvertriebene. Hofften auf baldige...

Schwamma

Herbstzeit – Pilzzeit „Ejich denk, ejich gie nuch emal in die Schwamma“ sagt der Vater. Mutter hat nichts dagegen aber sagt: Obber gieh nit suweit neina Wald und kumm bald wejider. Vielleicht kenna mr nouchert deine Schwamma gleich ze Ambd essen.“ Maronen, Rotkappen, Steinpilze Das war im September 1946. Seit zwei Monaten...

Abendläuten

Sommerzeit - lange milde Abende. Da ist die Dorfjugend draußen. Spielen, Lachen, Scherzen. Der Sommer 1945 ist warm und sonnig. Der Krieg ist vorbei, überall regt sich neues Leben. Auch in der Kirche. Herz und Sinn genießen die Freiheit, Glocken dürfen wieder klingen. Unsere Dorfkirche hatte nur noch eine. Die kleine. Die...

Niedrigwasser

„Es Wasser werd kla, mir kenna wejider fischn!“ Der Schrei meines achtjährigen Bruders war nicht zu überhören, er hatte das sinkende Wasser der Selbitz bemerkt. Mit alten Schuhen an den Füssen stiegen wir in das nur wenige Zentimeter hohe Wasser. Am Ufer und an Steinen hatten sich kleine Tümpel gebildet....

Johannisfeuer

„Ejich wisset scho en Platz dou kennt mers ejiberall sejing“ - „Wu denn, souch halt scho“. So tönte es in der Jugendgruppe, als einer die Frage stellte, ob denn heuer wieder ein Johannisfeuer geplant sei. Seinem Vorschlag wurde zugestimmt: Der südliche Berghang am Gailer. „Obber fei rechtzeitig omelden, warnte...

Holz holen

„Kommt, zieht eijere festen Schuh o, wir missen ins Holz“ Die Mutter ruft ihre drei Kinder. „Schickt eich, es kennt nuch renga!“ sagt sie noch und holt den Handwagen aus der Hütte. Bald stehen wir im Wald und sammeln herabgefallene kleine Äste. Der Waldboden war wie leergefegt. Klar, andere brauchten...

Klingensporn

„In Klingasporn werds Lager aufgelöst, ma ko sich des Zeich dort einfach hulln!“ Die Kunde lief durchs Land. So liefen auch wir Kinder hin. Mit Handwagen, wie andere auch. Was es da alles gab! Stoffe, Socken, Mützen, Wäsche, Decken, Filzstiefel. Gerüchte gingen um: „Die Amerikaner kumma“. Ein Kübelwagen (ein...

Der Vater

1940 wurde er – 36jährig – Soldat. „Eirucken“ sagte man damals im Frankenwald. Einrücken zur Wehrmacht. Seine Einheit kam in den Norden des besetzten Norwegens auf einen Beobachtungsposten am Meer. Feindberührung hatten sie nicht. Als er einmal Urlaub hatte, brachte er Fotos mit. Auf einem sieht man, wie die...

Der Hauptlehrer

Wir respektieren ihn, wir mochten ihn. Und wir trauten uns schon mal an einem sonnigen Tag an die Tafel zu schreiben: Der Himmel ist blau, das Wetter ist schön, wir bitten Herrn Lehrer spazieren zu geh‘n. Er konnte draußen wunderbar erzählen, lehrte uns, die Natur zu verstehen, ermutigte uns,...